Jede vierte Frau in Deutschland hat zwischen dem 16. und 85. Lebensjahr mindestens einmal in ihrem Leben körperliche und/oder sexuelle Gewalt erlebt. Auf weltweiter Ebene finden sich vergleichbare Zahlen für Frauen als Opfer körperlicher, psychischer und/oder sexueller Gewalt. All diese Formen von Gewalt machen krank! Sie können direkte körperliche Verletzungen, aber auch schwere psychische, psychosoziale und gesundheitliche Folgen für die Betroffenen haben. So wundert es nicht, dass Ärztinnen und Ärzte für Gewaltopfer oft die wichtigsten Ansprechpartner sind.

Viele der Patientinnen und Patienten, insbesondere Opfer häuslicher und sexualisierter Gewalt, „outen“ sich aus unterschiedlichsten Gründen nicht. Sie haben vielfach Angst und schämen sich, können oder wollen nicht über erlittene Misshandlungen berichten. Lange nach der Tat werden Gewaltopfer aber möglicherweise im Rahmen einer Gerichtsverhandlung wieder mit dem Geschehenen und dem Täter oder der Täterin konfrontiert. Wurden die erlittenen Verletzungen nicht gerichtsfest dokumentiert und richtig interpretiert, oder notwendiges Spuren/Untersuchungsmaterial nicht gesichert, kann das im Zweifel zu einem milden Urteil oder gar einem Freispruch des Täters oder der Täterin führen. Das Ausmaß einer solchen „sekundären Traumatisierung“ kann erheblich sein und das Leiden des Opfers noch vergrößern.

 

Eine gute Ärztin oder ein guter Arzt kann der betroffenen Person in dieser schwierigen Situation eine große Hilfe sein. Neben einer korrekten Diagnose wird sie oder er sich dem Opfer gegenüber angemessen verhalten, seine Verletzungen „gerichtsfest“ (d.h. umfassend und eindeutig nachvollziehbar, dadurch vor Gericht standhaltend) dokumentieren, Untersuchungsmaterial für molekulargenetische Spurenuntersuchungen (DNA, Sperma) oder die Diagnostik von Vergiftungen (z.B. KO-Tropfen) sichern und kompetent beraten, an welche Hilfseinrichtungen sich die betroffene Person weiter wenden kann (z.B. innerhalb des Düsseldorfer Hilfenetzwerkes).

Sollte eine dieser Aufgaben nicht vor Ort bei Ihrem Arzt bzw. Ihrer Ärztin möglich sein, dann können Sie kompetent zu einer geeigneten Praxis oder Klinik weiterverwiesen werden.

Viele Kliniken sowie zahlreiche niedergelassene Ärztinnen und Ärzte verstehen sich als Teil des jeweils regionalen Hilfsnetzwerkes für Gewaltopfer und arbeiten eng mit den Institutionen dieses Netzwerkes zusammen. In großen Kliniken sind rund um die Uhr alle medizinischen Disziplinen vertreten, die für die Behandlung Ihrer körperlichen oder seelischen Verletzungen nötig sind.

 

In vielen Städten Deutschlands, insbesondere angebunden an Universitätskliniken, ist rechtsmedizinisches Fachpersonal verfügbar, d.h. Ärztinnen und Ärzte, die speziell für die Dokumentation und Interpretation von Verletzungen sowie auch für die Sicherung von Spuren nach Gewalttaten ausgebildet sind. Auch sie unterliegen – ebenso wie Ihr Hausarzt oder Ihre Hausärztin – der ärztlichen Schweigepflicht.

In Düsseldorf übernimmt diese Aufgabe das Institut für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Düsseldorf mit seiner spezialisierten Ambulanz für Gewaltopfer:

Institut für Rechtsmedizin, Gebäude 14.84

Moorenstr. 5, 40225 Düsseldorf

Tel.: 0211 – 81 06000

Öffnungszeiten:  Montag – Donnerstag 9.00 - 16.00 Uhr
  Freitag 9.00 - 14.00 Uhr

In dieser Zeit ist durchweg ein rechtsmedizinischer Ansprechpartner anwesend und telefonisch erreichbar. Außerhalb der angegebenen Zeiten wird über die Zentrale des Universitätsklinikums
(Tel.: 0211 - 8100) mit dem rechtsmedizinischen Rufbereitschaftsdienst verbunden.

 

Weiterführende Informationen finden Sie unter:

 

Haben Sie den Verdacht, dass in Ihrem näheren oder weiteren Umfeld jemand Opfer von Gewalt geworden ist?

Wenden Sie sich an eine Frauenberatungsstelle, eine Kinderschutzeinrichtung oder ein Institut für Rechtsmedizin in Ihrer Nähe. Kompetente Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner werden Ihnen Ratschläge und Hilfestellungen in Bezug auf den konkreten Fall geben können, der Sie beschäftigt.

 

Wie können Sie eine betroffene Person unterstützen?

Emotionale Angehörige (Verwandte, Partnerinnen und Partner, Freundinnen und Freunde, Bekannte) von Gewaltopfern reagieren oft mit Wut, Unglaube, Unsicherheit und/oder Hilflosigkeit auf die Tat. Das ist verständlich! Es besteht jedoch kein Grund, die Glaubwürdigkeit der Betroffenen anzuzweifeln, auch wenn diese nur unvollkommene Erinnerungen an die Tat haben oder widersprüchliche Aussagen machen. Nach einem sehr belastenden Erlebnis können Erinnerungslücken eine wichtige Schutzfunktion erfüllen. Häufig bestehen Vorurteile bezüglich der Mitschuld der betroffenen Person. Zeigen Sie andererseits, dass Sie der Täterin oder dem Täter die alleinige Verantwortung für die Tat geben. Schuldzuweisungen, auch wenn sie unterschwellig erfolgen, sind völlig unberechtigt und für das Gewaltopfer eine zusätzliche und unnötige Belastung. Ebenso beeinträchtigt es die betroffene Person, wenn Entscheidungen über ihren bzw. seinen Kopf hinweg getroffen werden. Auch wenn Sie sicher sind, dass diese Entscheidung richtig und hilfreich ist. Gespräche, in denen die Gewaltopfer von ihren Erlebnissen berichten können, sind für die meisten Menschen sehr erleichternd.

Nehmen Sie die betroffene Person mit ihrem Schmerz, ihrer Wut, ihrer Trauer und ihrer Angst ernst! Vielleicht zieht sich die betroffene Person nach anfänglichem Erzählen zurück. Für Sie kann diese Veränderung plötzlich und verwirrend sein. Für das Gewaltopfer ist es jedoch sehr wichtig, dass Sie ihr bzw. ihm vermitteln, dass Sie auch später ansprechbar bleiben und für sie bzw. ihn da sein werden. Übern Sie jedoch keinen Druck aus, das Erlebte zu erzählen. Druck und Grenzverletzungen haben die Opfer zur Genüge erfahren.

 

Probleme als Angehörige/Freund oder Freundin

Für Sie als Bezugsperson kann der Kontakt zu einer betroffenen Person ebenfalls eine große Belastung bedeuten. Vielleicht wird sie Ihnen von schrecklichen oder angsteinflößenden Dingen berichten. Das kann bei Ihnen selbst eigene Ängste hervorrufen und das Bedürfnis erzeugen, sich von der Person zurückzuziehen. Womöglich fühlen Sie sich mit der Rolle als Unterstützungsperson überlastet oder haben Angst vor möglichen Fehlern. Häufig ist es in solch einer Situation hilfreich, wenn Sie Ihre eigenen Ängste und Unsicherheiten im Gespräch mit der betroffenen Person ansprechen. Sie können beispielsweise gemeinsam überlegen, welche Personen zusätzlich Unterstützung anbieten können und welche weiteren Hilfsangebote in Betracht kommen. Hierdurch können Sie sich selbst vor Überforderung schützen und der betroffenen Person spätere Enttäuschungen ersparen.

Zur eigenen Unterstützung und Entlastung können auch für Sie Gespräche mit anderen Menschen hilfreich sein. Sich beraten lassen und selbst Unterstützung in Anspruch zu nehmen, ist keineswegs ein Eingeständnis der eigenen Unwissenheit oder Unfähigkeit, sondern vielmehr ein Zeichen von verantwortungsbewusstem Handeln gegenüber der betroffenen Person.

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