Wann ist dieser nötig?

Viele Erblasser versterben, ohne ein Testament aufgesetzt zu haben. Dann kann nur mittels eines Erbscheins die gesetzliche Erbfolge belegt werden. Ein Erbschein ist ein Nachweis, wer den Verstorbenen beerbt hat. Gerade wenn der Erblasser Grundstücke hatte, wird für die Umschreibung auf den Erben ein Erbschein benötigt.

 

Einzig mit einem eindeutigen, notariellen Testament kann ein Erbschein entbehrlich sein.

Einen Erbschein muss beim Nachlassgericht beantragt werden. Grundsätzlich ist dieses die Aufgabe eines Erben, eventuell vertreten durch einen Rechtsanwalt.

Der Antrag muss derart formuliert werden, dass das Gericht anhand der Formulierung ohne Änderung den Erbschein ausstellen kann.

Der Antrag muss jeden Erben mit Name, Anschrift, Geburtsdatum und Verwandschaftsverhältnis zum Erblasser sowie seines Erbanteils angeben, weiter muss aufgenommen sein, ob ein Alleinerbschein, ein Teilerbschein oder ein gemeinschaftlicher Erbschein gewünscht ist.

Bei Fehlern, auch rein formellen Fehlern, im Antrag, kann ein solcher Antrag zurückgewiesen werden, wodurch bereits Kosten entstehen. Deshalb kann die Einbindung eines Anwalts durchaus sinnvoll sein.

Die Kosten eines Erbscheinverfahrens sind abhängig vom Reinvermögen des Nachlasses (Verkehrswert des Nachlasses ohne Verbindlichkeiten) und werden vom Gericht festgesetzt.

Folgende Fragen sind zu klären:

  • Welche Staatsangehörigkeit hat der Erblasser?
  • Wann und an welchem Ort ist der Erblasser gestorben, wo war sein letzter Wohnsitz?
  • Hat der Erblasser Verfügungen von Todes wegen (Testamente, Erbverträge) hinterlassen?
  • War der Erblasser verheiratet, verwitwet, geschieden, ledig oder lebte er in Lebenspartnerschaft, sofern verheiratet oder in Lebenspartnerschaft lebend, in welchem Güterstand (Zugewinngemeinschaft, Gütertrennung, Gütergemeinschaft) hat er gelebt?
  • Name, Geburtsdatum und Anschrift des überlebenden Ehegatten/Lebenspartners und der überlebenden Kinder? Hat der Erblasser weder einen Ehegatten/Lebenspartner noch Kinder hinterlassen, Name, Geburtsdatum und Anschrift seiner nächsten Verwandten?
  • Name, Geburtsdatum und Sterbedatum des Ehegatten/Lebenspartners und der Kinder, welche der Erblasser überlebt hat?
  • Hatte der Erblasser nichteheliche Kinder oder adoptierte Kinder?
  • Gehört zum Nachlass Grundbesitz? Wo ist dieser belegen?
  • Wie hoch ist der reine Wert des Nachlasses (Verkehrswert der Vermögensgegenstände abzüglich Schulden)?

Schwierig wird es, wenn der Erblasser ohne Testament verstorben ist und keine Kinder/Ehepartner hinterlassen hat. Denn dann müssen die Verwandten ihr Verwandschaftsverhältnis darlegen.

Die Obigen Informationen sind anhand folgender Unterlagen in beglaubigter Abschrift zu belegen:

  1. Familienstammbuch, soweit darin nicht enthalten: Sterbeurkunde des Erblassers und der vorverstorbenen Personen, Heiratsurkunde wenn zum Zeitpunkt des Todes verheiratet, Geburtsurkunde der Erben,
  2. Scheidungsurteil, wenn zum Zeitpunkt des Todes geschieden,
  3. Testamente und Erbverträge des Erblassers, ggf. mit Eröffnungsprotokoll des Nachlassgerichtes,
  4. Eheverträge des Erblassers

Alle Personenstandsurkunden erhalten Sie beim Standesamt des letzten Wohnsitzes des Verstorbenen bzw. dort kann Ihnen geholfen werden, wo sie die Geburtsurkunde und Heiratsurkunde gegebenenfalls erhalten.

Bei der Vorbereitung eines Erbscheinantrags und auch der Durchführung des Erbscheinsverfahrens kann ein Anwalt behilflich sein, dieses ist insbesondere sinnvoll, wenn entferntere Verwandte ohne Testament aufgrund gesetzlicher Erbfolge erben.

Rechtsanwältin Maren Jackwerth, www.kanzlei-jackwerth.de

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