Erbengemeinschaft

Sind Entscheidungen einer Erbengemeinschaft einstimmig oder durch Mehrheitsbeschluss zu treffen?

Meist erben mehrere Personen in Erbengemeinschaft. Bei einem guten Familienverhältnis mag dieses unproblematisch sein, meist aber zeigen sich bei einer Erbengemeinschaft große Probleme, da jeder Erbe ureigene (finanzielle) Interessen verfolgt.

Notwendige Verwaltungsmaßnahmen kann jeder Miterbe ohne Mitwirkung der anderen vornehmen. Dieses gilt aber nur, wenn die Erhaltungsmaßnahme, z.B. Reparatur eines Fensters in dem geerbten Einfamlienhaus nach Einbruchversuch, dringend erforderlich ist.

Sonst muss erst eine Entscheidung der Erbengemeinschaft herbeigeführt werden.

Grundsätzlich reicht hier die einfache Stimmenmehrheit aus. So etwa bei Entscheidungen, die nach billigem Ermessen sinnvoll sind: Vermieten der nun leerstehenden Wohnung des Erblassers.

Außerordentliche Verwaltungsmaßnahmen, die eine erhebliche Auswirkung auf den Nachlass haben: Verkauf der geerbten Immobilie kann nur mit einstimmigen Beschluss aller Miterben umgesetzt werden.

Da aber starten meist die Probleme, da meist ein Miterbe schnell das Vermögen in Geld umsetzen möchte, ein anderer aber die Gegenwerte halten will.

Wenn für den Erblasser klar ist, dass mehrere Erben später in einer Erbengemeinschaft vereint sein werden, ist es oft ratsam, über ein Testament nachzudenken. In einem solchen Testament können die Auseinandersetzung ausgeschlossen werden, es können Teilungsanordnungen vorgeben werden oder die Anordnung einer Testamentsvollstreckung kann die Nachlassverteilung umsetzen helfen.

Streiten sich die Miterben, kommt es oft zu einer Teilungsversteigerung der Immobilien, welches meist zu einer  Übertragung der Immobilie unterhalb des Verkehrswertes führt. Solvente Miterben betreiben zudem gerne eine solche Zwangsversteigerung, um dann die Immobilie preiswert ersteigern zu können. Auch so etwas schürt Unmut unter den Miterben, die meist verwandt miteinander sind.

Zumindest kann bei einer drohenden Teilungsversteigerung bei Gericht beantragt werden, eine Zwangsversteigerung für 6 Monate auszusetzen. Dafür aber sind konkrete Pläne über Verwertungsmöglichkeiten der Immobilie einzureichen.

Erblasser mit Immobilienbesitz kann somit nur dringend empfohlen werden, ein Testament aufzusetzen. Ansonsten droht die sinnlose Zerschlagung von Vermögenswerten.

Rechtsanwältin Maren Jackwerth, www.kanzlei-jackwerth.de

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